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F22 | Umbau eines Reihenhauses in der Waldsiedlung in Gerlingen

F22 | Umbau eines Reihenhauses in der Waldsiedlung in Gerlingen

Bauzeit | 2018 – 2019

„UMBAUEN IST DAS NEU(E)BAUEN“, unter diesem Motto wurde in der Waldsiedlung in Gerlingen ein Reihenhaus, welches 1962-1963 unter der Oberbauleitung von Max Bächer entstanden ist, behutsam umgebaut und modernisiert. Max Bächer wurde zur damaligen Zeit als Oberbauleiter der Waldsiedlung gewonnen. Er sollte für eine planerische Ordnung und eine einheitliche Struktur sorgen, wie auch dafür, dass sich jeder Bauherr an die Vorschriften hielt. Es entstanden 65 Bungalows und 26 Reihenhäuser.

Die Vorgaben des Bebauungsplanes – Gestaltung der Dächer, Dachüberstände, Anschluss Dachgesimse, Gestaltung der Fassade mit horizontaler Gliederung durch Holzfassade – wurden beim Umbau erhalten und teils neu umgesetzt. Auch dem ökologischen Trend, nicht um jeden Preis neu zu bauen, wurde Tribut gezollt.

Das zweigeschossige Wohngebäude mit leicht geneigtem Satteldach war solide gebaut, die Wände aus massivem Mauerwerk und die Decken aus Beton. Es wies jedoch im Erdgeschoss einen etwas verschachtelten Grundriss auf – wie damals für die gewünscht klar getrennten Räumlichkeiten üblich. Die Größe der Wohnung und das damalige Raumprogramm passten also nicht mehr mit den heutigen Vorstellungen von Wohnkomfort und Raumgestaltung zusammen. Weshalb auch die Familie mit zwei Kindern, die dieses Haus erworben hatte, den Wunsch hegte, das Gebäude nach Ihren Bedürfnissen umzubauen und mit einer Einliegerwohnung zu erweitern. Es sollte modernisiert, kernsaniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden.

Doch nicht nur technisch sondern auch räumlich wurde das Gebäude aufgewertet. Im Obergeschoss blieb die Lage des Schlafzimmers und der Kinderzimmer erhalten – die Räume wurden jedoch entsprechend der heutigen Bedürfnisse vergrößert. Im Erdgeschoss wich die ehemalige Terrasse an der Westseite des Gebäudes einer Einliegerwohnung. Dafür entstand eine neue Terrasse entlang der gesamten Südfassade des Bestandsgebäudes. Ebenfalls konnten im Erdgeschoss durch kleine Änderungen des Grundrisses und das Herausnehmen weniger Bestandswände grundlegende räumliche Verbesserungen erzielt werden: die für die 1960er Jahre typisch kleinteiligen, separaten Räume – Wohnzimmer, Esszimmer und Küche – wurden so zu einem fließenden, offenen Wohn-, Ess- und Kochbereich in dem das tägliche Familienleben spielt. Das äußerst charmante, erhaltenswerte Treppenhaus wurde behutsam saniert und durch ein Einbaumöbel aus Holz und indirekter Beleuchtung ergänzt.

Für die Fassade wurde, in Verbindung mit einem KfW-Zuschuss für erhaltenswerte Bausubstanz, die Stärke der Dämmung so angepasst, dass die im Bebauungsplan angegebenen typischen Wand- und Dachversprünge erhalten blieben und nicht durch eine zu dicke Dämmung überdeckt wurden. Entsprechend der Vorgaben wurde das Haus durch eine Holzfassade im Erdgeschoss gegliedert und erhält so eine warme, wohnliche Atmosphäre. Dies zieht sich auch ins Innere des Gebäudes: mit Eichenparkett, einem Sitzfenster aus Holz, sowie einem großen Schiebefenster im Essbereich zu Terrasse und Garten werden wohnliche, gemütliche Akzente gesetzt. So entstand ein Umbau, der neue Wohn- und Lebensräume geschaffen hat.

Veröffentlichung in der Stuttgarter Zeitung vom 5./6. Deuzember 2020.pdf

Wir freuen uns über die Veröfentlichung des Hauses F22 in „Die 50 besten Einfamilienhäuser des Jahres 2020“. Erschienen beim Callwey-Verlag.

Fotografie | Zooey Braun