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A57 | Neubau eines Mehrgenerationenhauses in Aichwald

A57 | Neubau eines Mehrgenerationenhauses in Aichwald

Bauzeit | 2014 – 2017

Im Ortskern des Gemeindeteiles Aichschieß entstand ein Mehrgenerationenwohnhaus auf Grundlage einer Dorferhaltungssatzung Am Anfang stand eine ambitionierte kleine Bauherrengemeinschaft und ein Grundstück im Ortskern von Aichschieß – hier sollte ein Mehrgenerationenhaus entstehen, möglichst unter Einbeziehung des vorhandenen alten Bauernhofes. Schnell war klar, dass eine Erhaltung des Bestandsgebäudes aufgrund schlechter Bausubstanz und viel zu geringer Raumhöhen nicht in Frage kam. Ebenso klar war, dass mit dem erforderlichen Neubau kein radikaler Bruch verbunden sein sollte – die lebhafte Geschichte des Ortes sollte nicht neu geschrieben, sondern um ein weiteres, zukunftsweisendes Kapitel erweitert werden. Es sollte ein Gebäude entstehen das sich wie selbstverständlich in die Umgebung einfügt – als wäre es schon immer da. Zusätzlich mussten die Vorgaben der Dorferhaltungssatzung umgesetzt werden: ein Satteldach mit steiler Dachneigung und roter Ziegeldeckung, weißer Putz mit Besenstrichstruktur, Holzfenster mit Klappläden – Elemente die sich auch bei anderen Gebäuden in der Umgebung finden und hier neu interpretiert wurden. Als Reminiszenz an das Bestandsgebäude wurde altes Eichenholz aus dem Abbruchmaterial wiederverwendet: für Tür- und Wand-verkleidungen, Brüstungselemente im Treppenhaus und für Handläufe. Durch ein speziell für das Gebäude ausgearbeitetes Lichtkonzept werden diese Elemente wirkungsvoll in Szene gesetzt.

Auch typologisch gibt es Bezüge zum Bestandsgebäude: an der Stelle der alten Tenne zwischen Wohnhaus und Stall mit einem gebäudehohen Luftraum wurde der Haupteingang und das Treppenhaus angeordnet – ebenfalls mit einem Luftraum bis zum First. Funktional erfüllt das Gebäude alle Anforderungen eines modernen Mehrgenerationenhauses, in dem unterschiedliche Generationen unter einem Dach gemeinschaftlich wohnen. Es gibt eine Tiefgarage, ein Aufzug erschließt barrierefrei alle Ebenen, ein Gemeinschaftsraum mit Küche zum Eingangshof orientiert steht allen Bewohnern zur Verfügung, im Außenbereich gibt es einen Kinderspielplatz, einen gemeinsam genutzten Garten und einen Hof der sich zum Ort öffnet. Es sind dabei acht individuelle Wohneinheiten mit 2,5 – 4,5 Zimmern, in Größen von 68 bis 110 m2, entstanden.

Das Haus ist als Massivbau in monolithischer Ziegelbauweise gemauert, weitgehend ohne Wärmedämmverbundsystem. Im Inneren gliedert sich das Gebäude in öffentliche, also gemeinschaftlich genutzte, und private Bereiche, was sich auch über den Bodenbelag ablesen lässt: Eingang, Treppenhaus und Gemeinschaftsraum sind in geschliffenem Estrich ausgeführt, für die Wohnungen wurde Parkett gewählt. Die Verwendung von Holz als Bodenbelag in den Wohnungen, wie auch die Holzelemente im Treppenhaus geben dem Ganzen eine warme, wohnliche Atmosphäre.

Fotografie | Zoey Braun